19/06/2026
Der französische 911er
Die Geschichte der Firma Alpine beginnt in Dieppe, einer kleinen Stadt in der Normandie, direkt an der Küste. Nach dem zweiten Weltkrieg war dort vieles zerstört. Auch die Renault Vertretung des Vaters von Jean Rédélé hatte unter dem Krieg sehr gelitten. Auf Wunsch seines Vaters baute Jean im Alter von 24 Jahren als jüngster Renault-Vertreter Frankreichs die Werkstatt wieder auf. Eigentlich galt sein Interesse aber eher dem Motorsport. Er nahm mit Renault Fahrzeugen an Autorennen teil und stellte schnell fest, dass ihm Serienfahrzeuge nicht ausreichten. Deshalb begann er eigene Fahrzeuge auf der Basis des Renault 4CV mit getunten Motoren zu konstruieren. Sein Schwiegervater, der eine Werkstatt in Paris besaß, unterstützte ihn. In Paris wurden auch die ersten Prototypen gebaut, die erfolgreich bei Rennen eingesetzt wurden. Im Jahr 1955 gründete Jean Rédélé die „Société des Automobiles Alpine“. Der Markenname Alpine war eine Anlehnung an den Sieg beim „Criterium des Alpes“ (Alpenpokal) im Jahr 1954.
Im Laufe der kommenden Jahre wurden einige Sportwagen konstruiert und gebaut. Der bekannteste ist die A110, der durch viele Siege bei internationalen Rallyes berühmt wurde.
Unser Bericht bezieht sich aber auf die A 310, die im Jahr 1971 auf den Markt kam. Es war das letzte Fahrzeug, das von Firmengründer Jean Rédélé entwickelt wurde bevor er die Marke Alpine vollständig an den Staatskonzern Renault verkaufte. Er setzte bei diesem Fahrzeug nicht nur auf Sportlichkeit, sondern auch auf mehr Komfort. Die A310 sollte ein direkter Konkurrent zum Porsche 911 sein.
Auch bei diesem Modell wurde die Karosserie aus GFK konstruiert und durch Versuche im Windkanal optimiert. Eine daraus folgende Maßnahme war z.B., dass die Scheinwerfer unter Glasabdeckungen verbaut wurden. Zwecks besserer Gewichtsverteilung sind der Tank und der Wasserkühler vorne. Das Reserverad wurde hinten rechts in einer Mulde im Motorraum gelagert, da es dem Rad aber dort oft zu heiß wurde, bevorzugen die meisten Alpine-Fahrer die Verlagerung des Reserverades in den vorderen recht kleinen Kofferraum, der dann
natürlich "volumenmäßig" fast schon komplett ausgefüllt ist.
Bei seinem Erscheinen im Jahr 1971 hatte es die A310 sehr schwer. Denn die A110 räumte national und international alles an Siegen ab was überhaupt möglich war. Sieger bei der Rallye-Europameisterschaft, der Rallye-Weltmeisterschaft, der internationalen Markenweltmeisterschaft und zweimal Dreifachsieger bei der Rallye Monte Carlo. Dadurch stiegen die Verkaufszahlen der A110, wobei die A310 eher im Schatten stand. Dazu kam noch, dass die A310 ein vergleichsweise teures Auto war und die Ölkrise im Jahr 1973 tat ihr Übriges. Um den Verkauf zu fördern, wurde 1976 eine sparsamere, leistungsschwächere, 95 PS leistende Version mit der Bezeichnung A310 SX auf den Markt gebracht. Trotzdem wurden von den verschiedenen Vierzylinder-Versionen nur 2340 Fahrzeuge verkauft.
Der Erfolg kam erst ab 1977. Das Aussehen wurde etwas verändert und der „Europa V6 Motor“, eine Entwicklung von Renault, Volvo und Peugeot, wurde im Heck eingebaut. Eigentlich sollte dieser Motor ein V8 werden. Aber aufgrund des Sparkurses wurden zwei Zylinder gestrichen. Der DeLorean wurde übrigens mit dem gleichen Motor bestückt.
Die A310 mit V6 Motor wurden nach Verkaufszahlen das erfolgreichste Modell der Marke Alpine.
Der Besitzer dieser Alpine V6 hatte bereits einen Opel Kadett C Coupe GT/E. Die Idee, sich ein Fahrzeug mit zeitlosem Styling zu kaufen, entstand, nachdem sein Kumpel, der jahrelang mit ihm an den geliebten C-Coupes rumgeschraubt hatte, völlig überraschend auf einmal mit einer schwarzen Alpine A 310 S vorfuhr. Begeistert von dem Fahrzeug, entschloss er sich auch zu einem Wechsel zu diesem zeitlos schönen Fahrzeug. Als im Jahr 1989 diese rote A310 angeboten wurde, war es klar, dass es dieser Sportwagen sein sollte. Den Platz in der Garage musste der Kadett (leider) zu Gunsten der A310 räumen.
Heute steht die A310 komplett restauriert wahrscheinlich besser da, als sie im Jahr 1980 das Werk verließ. Der letzte große Eingriff fand im Sommer 2025 statt. Das Getriebe war defekt und wurde von einem Fachbetrieb komplett revidiert.
Die Bilder dieses Berichts haben Seltenheitswert weil sie den roten Sportwagen im Regen zeigen. Während der letzten 36 Jahre wurde die A310 nur bei trockenem Wetter gefahren. Auch am Tag als dieser Bericht entstand, war kein Niederschlag gemeldet. Trotzdem gab es an diesem Morgen kurzzeitig etwas Regen. Daher zeigen diese Bilder die regennasse Karosserie. – Die gute Nachricht zum Schluss: Die A310 hat noch nicht mal eine Erkältung bekommen und fährt ab jetzt wieder nur im Sonnenschein, was das letzte Bild des Berichts beweist.